Der Beck-Verlag: juristische Standardwerke erhalten neue Namen

Was sonst nur ein begrenztes Fachpublikum interessiert, wird hier breiter diskutiert und findet sogar Eingang in diverse Artikel von Tageszeitungen – mindestens in Deutschland.

Der «Palandt», wie er seit Jahren umgangssprachlich genannt wird, steht in unserer Bibliothek bereits in seiner 80. Auflage und zählt mehr als 3000 Seiten – in vieler Hinsicht ein Schwergewicht. Doch der deutsche Kurzkommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch wird nicht mehr den Namen Otto Palandts tragen, im Loseblattkommentar zum Grundgesetz von Maunz/Dürig wird Maunz nicht mehr genannt werden, der Name Schönfelder wird nicht mehr auf dem Titelblatt der bisherigen Gesetzessammlung Schönfelder zu finden sein und der Kommentar von Blümich, EStG, KStG, GewStG wird künftig ohne den Namen Blümich erscheinen.

Diese Namen werden aktuell aus dem Verlagsprogramm von Beck gestrichen, da diese Juristen in der NS-Zeit eine aktive Rolle übernommen und ausgeübt haben. Der Verleger Dr. Hans Beck erläutert, dass man Geschichte nicht ungeschehen machen könne, deshalb hätten sie die historischen Namen zunächst beibehalten. In Zeiten zunehmenden Antisemitismus wollten sie jedoch ein Zeichen setzen.

Bevor sich der Beck-Verlag zu diesem Schritt entschloss, waren jahrelange kontroverse Diskussionen vorausgegangen, ob relevante und aktuelle juristische Werke Namen von Exponenten eines Unrechtstaates tragen könnten.  Nun wird die Abkehr vollzogen: Im November 2021 soll der neue Kurzkommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch erscheinen. Das Cover der 81. Auflage wird den Namen von Dr. Christian Grüneberg, Richter am deutschen Bundesgerichtshof, tragen. Die anderen Werke werden nachziehen.

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(besucht am 17.8.2021 /
längerfristig abrufbar via DBIS/Campuslizenz FZ-Archiv bzw. SZ-Archiv)