Wir sind wieder da!

Liebe Leserinnen und Leser 

Normalerweise verabschieden wir uns um diese Zeit mit einem Artikel und einer Vitrine in die Sommerpause. Dieses Jahr ist es – wie so vieles – mal anders. Lange Zeit war es still auf diesem Kanal, was natürlich mit dem Corona-Lockdown zusammenhing. Inzwischen läuft das Leben nach Corona wieder an und auch wir melden uns wieder zurück – mit einem etwas ausführlicheren Artikel, als Sie es vielleicht sonst von uns gewohnt sind.  

Stille im Blog bedeutet aber nicht, dass die Bibliothek stillstand während der letzten 3 Monate. Im Gegenteil – hinter den Kulissen ist sehr viel passiert, von dem wir Ihnen hier einen kleinen Überblick geben wollen. Zudem haben wir uns im Blog-Team die Frage gestellt, was jeder einzelne von uns aus der Corona-Lockdownphase mitnimmt und wie er oder sie ihre tägliche Bibliotheksarbeit in dieser Zeit erlebt hat. Die Antworten wollen wir Ihnen nicht vorenthalten und Sie finden sie weiter unten im Text. 

Hier ganz grob skizziert ein paar Dinge, die während des Lockdowns in der Bibliothek passiert sind: 

  • Unterhalts- und Reinigungsarbeiten wurden vorgezogen, so dass wir auf unsere traditionelle Schliessung im Juli verzichten werden. 
  • Die Bibliothek war im sog. Notbetrieb immer mit mind. 3 Personen besetzt. Die übrigen Mitarbeitenden befanden sich im Homeoffice. 
  • Wir haben für Benutzende Scanaufträge ausgeführt. 
  • Corona-Schutzkonzepte wurden entwickelt, umgesetzt und bei Bedarf angepasst. 
  • Viele Mail wurden beantwortet und Lösungen für Zugänge wegen Fallbearbeitungen gefunden. 
  • Das Einrichten von Remote-Zugängen für Datenbanken wurde aufgegleist. Hier kommt eine neue Herausforderung auf uns zudiese Zugangsprivilegien sind nach dem Lockdown wieder weg. 
  • Die Zugänge via Buchungstools wurden aufgegleist – der administrative Aufwand im Hintergrund ist nicht zu unterschätzen. 
  • Parallel dazu liefen Projekte wie UBZH/AUB und Alpzug weiter. 
  • Wie alle anderen auch: Wir durften neue Software wie Teams und Zoom erleben. 

So, und jetzt unsere persönlichen Erfahrungen in der Reihenfolge des Beitagsbildes von Links oben im Uhrzeigersinn nach Links unten.

Tanja:
Zum Glück konnte ich mich gerade noch wortwörtlich in aller letzter Sekunde mit all den Unterlagen eindecken, die ich für den Homeoffice brauchte.  Da ich drei schulpflichtige Kinder habe und nun die ganze Familie zu Hause war, war mir klar, dass ich den Alltag stark strukturieren muss. Arbeit und Freizeit bewusst trennen. Ganz ehrlich, ich war erstaunt wie gut es ging! Ich bin definitiv Mrs. Homeoffice und so seltsam es klingen mag, durch das bewusste Fokussieren auf die schönen kleinen Dinge hatten wir zwar eine intensive, aber wirklich gute Zeit während des Lockdowns. Via Teams und Zoom war ich in regelmässigem Austausch mit meinen KollegInnen. Und weil ich mich in dieser Zeit auf die Umsignierung im Europa- und Völkerrecht fokussierte, war es für mich überhaupt kein Problem von zu Hause aus zu arbeiten. Dank dem Wegfall der mir lästigen Pendlerei im überfüllten ÖV  (juhee!), hatte ich am Abend sogar Zeit, mich kurz auf’s Fahrrad zu schwingen und meine Wohngegend besser kennenzulernen.  

Irene:
Deus Ex Machina – oder wie mir der Lockdown zu neuen Erkenntnissen verholfen hat. So ähnlich könnte der Titel meiner Corona-Biographie oder auch eines Corona-Romans lauten, sollte ich beschließen, ein solches Werk über diese doch turbulenten Wochen zu verfassen. Inhalt wäre genug vorhanden. Da wäre zum Beispiel das Hervorkramen meiner doch schon etwas in die Jahre gekommenen Webcam – ein hardwaretechnischer Krimi sondergleichen. Erkennt mein Betriebssystem (technisch als auch psychisch) die Webcam? Funktioniert die Kamera? Angelehnt an Mani Matters  “I han es Zündhölzli azündt” malte ich mir die verschiedensten Szenarien aus. Glücklicherweise funktionierte sie aber noch – und mein selber zusammengebauter PC stellte tapfer die erhoffte und sehr wertgeschätzte Verbindung zu meinen Kollegen und Kolleginnen dar. Durch mein Interesse an der Technik und mein Bachelorstudium Informationswissenschaften bin ich in der glücklichen Lage, bereits mit allerlei Hard- und Software ausgestattet zu sein; was mir wiederum mehrmals in Erinnerung rief, wie ich vorgängig zu Corona diese Dinge als selbstverständlich angesehen habe.
Normalerweise bin ich ein Geisterpendler – ich bin gerne frühmorgens unterwegs, wenn die Trams und Züge leer – bis halbleer sind. Die Ruhe gibt mir die nötige Basis für einen energiereichen und produktiven Arbeitsalltag. Während des Pendelns habe ich mich ab und zu dabei erwischt, wie ich gerne einmal Homeoffice ausprobieren möchte. Jetzt – post-Homeoffice – kann ich mir Homeoffice als Standard nicht mehr vorstellen. Viele kleine Dinge habe ich im Homeoffice vermisst. Das Vorbeifahren und Grüßen des immer gleichen Lastwagens an der Technikumstrasse in Winterthur, das Grüssen des Taxifahrers am Bahnhof, das Zwitschern der Spatzen, die kühle Morgenluft, das “etwas-ausser-Atem-sein“ nach einem erfolgreichen Sprint auf den bereits seine Türe schließenden Zug. Theoretisch könnte ich einen nicht wirklich geringen Arbeitsanteil zuhause erledigen; dies wären zum Beispiel die Fernleihe, die Verwaltung und Datenbearbeitung von Medien in einem Literaturverwaltungsprogramm oder Troubleshooting.  Diese Aufgaben habe ich auch während meiner Corona-Homeoffice Zeit sehr gut erledigen können. Was mir jedoch jetzt und heute im Gegensatz zu 3 Monate BC (before Corona) bewusst ist – mir fehlten die Menschen und die Gesichter. Eben die kleinen Dinge im Leben. Darum freue ich mich umso mehr, wieder ab sofort für Sie vor Ort zu sein! 

Bettina: 
Homeoffice, als Einzige in der Familie, anfangs dachte ich, toll, das ist die Gelegenheit, viel mehr aus meinem Tag holen zu können: eingesparter Arbeitswege, ruhiger Arbeitsplatz und flexibles Zeitmanagement sei Dank. Weit gefehlt, am Abend war die Küche immer noch nicht aufgeräumt und da ich immer da war, wurde die Wohnung nicht sauberer, im Gegenteil. Der Kopf, rastlos arbeitend, viel zu viel, woran noch gedacht werden muss. Keine “reguläre” Arbeit, alles Corona-Spezial von Schutzkonzepten, Anmeldeslots, Dienstleistungen wie Scannen und Teamsitzungen bis zu Sorgen, wie das nur weitergehen soll.  Ich musste es erst lernen: Homeoffice und Abschalten, Büro und Daheim – je länger je mehr habe ich aber gelernt, dies bewusst und aktiv zu praktizieren und trennen. Ich muss aber immer noch aufpassen. Sitzungen in Teams und Zoom – in hoher Taktfrequenz – alle haben gelernt, mit neuen Kommunikationsformen umzugehen, jetzt mittlerweile Selbstverständlichkeit, pünktliche Sitzungen, fokussiert, klarregelmässig und direkter. Früher alles eher abgelehnt, da frage ich mich heute, warum eigentlich? Die Distanz hat mich vieles gelehrt: Achtsamkeit. Tragischerweise frage ich mich auch, warum es Corona gebraucht hat, um wieder einmal mehr Wertschätzung zu fühlen, dass ich doch eigentlich einen schönen Beruf habe (zumindest meistens und immer noch) und sogar wieder gerne auch solchen Menschen begegne, die mir früher vielleicht einfach zu viel warenauch hier zumindest meistens ;-). 

Elisabet: 
Jede Woche hat eine neue Laune bei mir hervorgerufen. Anfangs hatte ich das Gefühl, von wichtigen Gesprächen und Abmachungen ausgeschlossen zu sein – was sich nicht bestätigt hat. Positive Erlebnisse hatte ich v.a. in kurzen Video-Gesprächen, auch mit mir bisher unbekannten Personen, die zu einem besseren Verständnis führten als ein normales Telefonat. Trotzdem fuhr ich einmal die Woche ins Büro, um das Telefon abzunehmen, die Bibliotheks-E-Mail zu betreuen und allgemein den Bibliotheksservice aufrechtzuerhalten. Ich freue mich sehr, dass wir wieder einen halbwegs normalen Bibliotheksbetrieb haben (vor allem, weil ich dann nicht mehr so viel scannen muss)! 

Paul:
Meinem Instinkt folgend, kaufte ich noch kurz vor Türschluss einen neuen Rechner.  Der letzte Moment vor dem Lockdown – alles zu. Das häusliche Einrichten ging eigentlich gut von statten. Ich gewöhnte mich daran, aus immer wieder anderen Situationen zu arbeiten. Vom gemeinsamen Schreibtisch zum Küchentisch und wieder zurück. Teams und Zoom sind geile Instrumente zur Kontaktpflege mit den Anderen. Aber die meiste Zeit ist man halt allein, arbeitet vor sich hin, fragt sich, ob man wirklich das Richtige macht. Manchmal stundenlang am selben Problem hängengeblieben. Die Fragen von Benutzern oder Mitarbeitern waren da fast das Salz in der Suppe während dieser Zeit. Die Erfahrung war eher ambivalent, Licht und Schatten. Auf jeden Fall begrüsse ich es, dass es wieder die Möglichkeit gibt, vor Ort im Institut zu Arbeiten – Wir sind wieder da. 

Maryam:
Am 12. März habe ich mit leicht gemischten Gefühlen einige Unterlagen und meinen Laptop zusammengepackt und bin ins Homeoffice gezogen, wo ich mich bis Anfang Juli immer noch befandNach dem ersten Wochenende war ich geradezu aufgekratzt und hatte die euphorische Vorstellung, hier all die Dinge erledigen zu können, für die im Büro oft keine Zeit blieb. Nun, weit gefehlt – die meisten Unterlagen werde ich unangetastet und mit einer Staubschicht versehen demnächst wieder zurück an die UZH tragen  – was jetzt nicht heissen soll, dass ich in der Zeit nichts getan hätte, im Gegenteil.  Es war eine ausgesprochen arbeits-intensive  ZeitFlexibilität und Agilität im Denken waren gefragt, das schnelle Erlernen des Umgangs mit neuen Tools, aber auch das klare Abgrenzen und bewusste AbschaltenIch habe viele neue Spazierwege in meiner Umgebung entdeckt – und fast vergessen, wie Pendeln geht. Nichtsdestotrotz freue ich mich darauf, wieder in der Bibliothek zu sein.