Jus(tice) in Film

Bildquelle: www.palgrave.com

Im Nachklang zum kürzlich zu Ende gegangenen Zurich Film Festival ZFF – hier einige Gedanken und Hinweise zum Thema Law and Film.

Schon die älteren Titel aus der Filmgeschichte dieses Genres verheissen Spannung und Unterhaltung:
Falsely Accused, 1907, vermutlich der erste Gerichtsfilm, wo übrigens bereits ein Film als Beweismittel fungiert,
M, 1931, Selbstjustiz durch den Mob,
Anatomy of a Murder, 1959,
12 Angry Men, 1957,
Paths of Glory, 1957, Militärgerichtsfilm,
The Life and Times of Judge Roy Bean, 1972, Western mit Paul Newman als Anti-Richter,
The Verdict, 1982.

Darunter dürften einige sicherlich bekannt sein, auf jeden Fall verheissen die Titel Spannung, ausgeklügelte Plots und Kampf um Wahrheitsgehalt – vor Gericht, bei der Recherche, Rechtsfindung – und filmisch mit hohem moralischen Anspruch dargestellt und mit grossen Emotionen versehen. Die tägliche, ausdauernde Anwaltsarbeit kommt zwar meist zu kurz in der filmischen Rechtswelt, aber wir können doch ab und zu einige sporadische Einblicke in Verfahren, Gesetze und Rechtspsychologie gewinnen.

Ist der Lawfilm ein aktuelles Genre, d.h. wurden beim diesjährigen ZFF Festival solche gezeigt? In der Programmdatenbank sind neun Filme mit dem Schlagwort Justitia versehen – bei etwas mehr als 170 Filmen im Programm, also 5 %. Dabei decken die Filme ein weites Spektrum ab: Militärjustiz, Menschenrechts- und soziale Fragen (Crown Heights, 2017), Filme, bei denen Frauen im Zentrum stehen (Molly’s Game, 2017), bis hin zu einem Dokumentarfilm, der der Frage nachgeht, ob durch Big Data Straftaten vorhergesagt werden können (Pre-Crime, 2017). Die Relevanz des Themas kann weiter durch die wirtschaftliche Bedeutung des Mediums Film in Europa verdeutlicht werden: So existieren über 75’000 Firmen, und 373’000 Personen sind in dieser Branche beschäftigt. Dabei wird ein Ertrag von 60 Milliarden Euro jährlich erwirtschaftet (Film Copyright in the European Union, 2016).

Auch die Literatur zu dem spannungsgeladenen Thema ist aktuell und umfassend, dazu zwei Empfehlungen: Film and the Law, 2010, und Hollywood and the Law, 2015. Das erste Werk zeigt vieldimensional die Art der Repräsentation von Recht im Film auf, das zweite thematisiert die rechtlichen Rahmenbedingungen – wie Arbeitsverträge, Immaterialgüterrecht, Zensur, unter denen Filme in Hollywood entstehen und weltweit vertrieben werden können. Darüber hinaus schaut man sich den Podcast des Vortrags von Jessica Silbey an – Rechtsprofessorin an der Northwestern University – mit dem Titel A History of Law in American Film, 2016, veröffentlicht von Library of Congress:

Doch am besten ist es wahrscheinlich, eine Auswahl Rechtsfilme mit kritischem Blick zu visionieren. In Zürich gibt es einige umfangreiche Filmsammlungen:
Spezifisch zur Rechtsthematik die Abteilung Rechtsvisualisierung des RWI (UZH), dann mit allgemeinem Spektrum die ZHdK, die Zentralbibliothek und die Videothek
des Filmwissenschaftlichen Instituts UZH. In den nächsten Tagen findet am RWI gar ein Seminar zu Recht im Film statt, vom 25.-27. Oktober (Lehrstühle Kiener und Graber) – zwar bereits ausgebucht, aber man kann auf ein Remake hoffen.

Mein Favorit unter den Filmen mit Thema Recht: Erin Brockovich, 2000, mit Julia Roberts, Regie von Steven Soderbergh (nach einer wahren Geschichte!). Doch wenn wir der Frage nach Recht und Gerechtigkeit nachgehen, wir uns nicht nur an „wahren Geschichten“ orientieren, können wir auch die Potentiale von gesellschaftlichen (Film-)Fiktionen und Utopien ausschöpfen.

Dieser Artikel wird sporadisch auf die Aktualität  der Links geprüft. Zuletzt geprüft: 08.06.2018

Ein Gedanke zu „Jus(tice) in Film“

  1. Vielen Dank Herr Kurz für diesen tollen Artikel. Meine Favoriten unter den vielen spannenden Filmen sind ganz klar „To Kill a Mockingbird“ und „Conviction“ (deutscher Titel „Betty Anne Waters“). Das Seminar von Professorin Kiener und Graber habe ich leider auch zu spät entdeckt; über ein Remake würde ich mich sicherlich sehr freuen.

    Hollywood und Law ist in meinen Augen eine sehr spannende Mischung. Die breite Masse interressiert sich ja doch immer noch sehr für Blockbuster und Actionfilme; wobei hier im Vergleich das Thema „Recht“ gar sehr trocken erscheinen kann. Es freut mich sehr, dass die RWF und insbesondere die Bibliothek dieses Thema nun aktiv behandeln. Vielen Dank!

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