Konzentration

Kennen Sie das? Man studiert gerade das Buch „Internationales Privat- und Zivilverfahrensrecht“, und plötzlich fällt einem ein, dass man sich auf Zalando eine neue Hose für den Frühling kaufen könnte. Ganz einfach, weil es einem guttut und weil man denkt, mit der neuen Hose liesse sich die bevorstehende Prüfung vielleicht leichter bewältigen. Und schon ziehen die Gedanken anderswohin, weg von dem Buch, hin zu Äusserlichkeiten, und man schaut sich um und sieht, wie die anderen angezogen sind, nimmt an, dass sie sich besser konzentrieren können, dass sie die Prüfung schaffen werden – schliesslich starren sie gebannt in ihren Laptop.

Konzentration ist die Fokussierung auf eine Tätigkeit, beispielsweise auf das Lösen einer gestellten Aufgabe oder auf den Inhalt des Schweizerischen Obligationenrechts. Dazu braucht es einen Willen. Doch einen Willen kann es eigentlich nur geben, wenn man auch ein Ziel hat. Und sei es auch nur den, eine Prüfung zu bestehen. Der österreichische Schriftsteller Robert Musil fand für sich heraus, dass er sich am Tag nicht länger als 4 Stunden richtig konzentrieren könne. Den Rest des Tages verbrachte er damit, seinen Freunden Briefe zu schreiben und ausgiebige Spaziergänge zu machen. Unter Schriftstellern gilt er als einer der wichtigsten Denker des 20. Jahrhunderts. Um über einen Stoff nachdenken zu können, braucht es einen Spielraum. Diesen Spielraum erfährt man am besten in den Pausen. Nicht umsonst dauert eine Vorlesung 45 Minuten und nicht vier Stunden am Stück. Gehen Sie also ab und zu hinaus, schauen Sie sich das Wachstum der Bäume an, die Veränderung durch die Jahreszeiten, schauen Sie ins Grüne, um danach wieder besser in die Buchstaben schauen zu können. Genau dann nämlich arbeitet Ihr Geist wie wild.